MEIN NEUES ALBUM HEISST …

 

… “Von ganz allein” und es enthält ausschließlich eigene Songs. Lieder über das Leben und die Liebe. Über Sehnsüchte und Ängste, das Heimkehren und das Aufbrechen. Mit Gitarre, Mandoline, Ukulele, Kontrabass, Percussion und einer Prise Banjo. Es gibt mehr Balladen als auf meinem Debütalbum. Und weniger Country. Es ist persönlicher, emotionaler und ernsthafter geworden – ohne den Spaß dabei zu verlieren. Es klingt live und lebendig. Es ist schön.

 

Im März dieses Jahres fuhr ich für ein paar Tage nach Amsterdam. Aus einem eher spontanen Impuls heraus nahm ich die Gitarre mit: “Vielleicht schreibst du ja ein-zwei neue Songs für dein Live-Repertoire”, dachte ich mir. In meiner kleinen AirBnB-Klause angekommen schaute ich auf Schneematsch, die dunkelgraue Amstel und sich leise wiegende Hausboote. Ich blieb den ganzen ersten Tag am Fenster sitzen und am Abend war das erste Lied fertig. Die orangenen Lichter der Hafenindustrie leuchteten zu mir herüber und sagten: “Das ist gut. Mach mal weiter.” So blieb ich quasi die nächsten neun Tagen sitzen, zerkaute diverse Bleistifte, kritzelte zwei Notizblöcke voll und fuhr am Ende mit sechs neuen Liedern wie elektrisiert nach Hause: Einen derart hohen Output beim Schreiben hatte ich noch nie erlebt. Was wäre, wenn ich das nochmal machen würde? Vielleicht würde ich diesen Effekt ja wiederholen können. Zwei mal sechs wären zwölf. Also schon fast ein ganzes Album …

 

Anfang Mai fuhr ich nach Kopenhagen. Diesmal hatte ich drei Instrumente dabei und einen inneren Auftrag in der Tasche. Aber auch ein bisschen Bammel, ob sich das „Wunder von Amsterdam“ wirklich wiederholen ließe. In Kopenhagen blühte eine Magnolie vor meinem Balkon. Jeden Morgen joggte ich über den nahe gelegenen Friedhof. Paare lagen in der Sonne oder picknickten auf den Wiesen zwischen verwitterten Grabsteinen. Die ganze Stadt war Anfang Dreißig und schwanger. Selbst ich. Manche Lieder flossen wie von alleine aus den Fingern, mit manchen quälte und mühte ich mich. Ein oder zwei waren tatsächlich wie kleine Geburten – mit Tränen versehen. Das letzte, nun insgesamt zwölfte schrieb ich auf der Zugfahrt nach Hause fertig. Dort lag ein weiterer, allerletzter Song noch in der Schublade, jetzt waren es dreizehn, eine gute Zahl für ein Album. 

 

Bis zum Sommer hatte ich alle Lieder arrangiert, hier und da noch an Abläufen und Textzeilen gefeilt, nun ging es ans Aufnehmen. Drei der Songs würden Solo-Performances sein, der überwiegende Teil also eine kleine Band-Besetzung benötigen: Markus Schmidt (u.a. Texas Lightning) steuerte wie schon bei meinem ersten Album seine bewährtes Spiel auf Western-Gitarre, Bariton-Ukulele und Banjo bei, am Kontrabass kam Falko Burkert, der sonst unter anderem bei Dick Brave das Piano bedient und für Cajon und Percussion konnte ich Yogi Jokusch (u.a. Achim Reichel) gewinnen. Ich selbst spielte Mandoline, Western- und Tenor-Gitarre. Diese Besetzung hatte vorher noch nie einen Ton gemeinsam gespielt – und groovte sich bereits am ersten Tag derart zusammen, dass es ein Fest war. Es war ziemlich warm im heimischen Studio und manchmal ließen wir die Fenster einfach offen. Wenn man ganz genau hinhört, kann man hier und da auch mal einen Vogel zwitschern hören. 

 

Eigentlich war mir schon von Anfang an klar gewesen, dass ich mir für die Veröffentlichung dieses Albums kein neues Label oder einen Verlag suchen würde. Die kleine, feine Plattenfirma 105 Music, bei der ich die Freude hatte, mein erstes Album herauszubringen, und bei der auch Annett Louisan, Ina Müller und Stefan Gwildis unter Vertrag standen, war kurz nach dem Release meines Solo-Debüts von einem der letzten Major-Labels nicht nur geschluckt, sondern innerhalb eines Jahres auch rückstandslos verdaut worden. Ich stand also alleine da. Aber genau daraus würde ich nun eine Tugend machen.

 

Bis zum Herbst hatte ich meine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext auf die Beine gestellt: Zwei Monate lang konnte man dort das neue Album vorbestellen, mich für ein Wohnzimmerkonzert buchen, sich Gästelistenplätze für öffentliche Konzerte sichern und noch einiges mehr. Die Fundingsumme setzte ich mit 9.000 € bewusst tief an, denn falls sie in diesen acht Wochen nicht erreicht werden würde, würde die ganze Kampagne auf 0 € zurückfallen. Ein Wagnis – mit grandiosem Start: Nach nur zwei Wochen war fast die Hälfte erreicht, dann aber stagnierten die Besucherzahlen, der Strom der Bestellungen ebbte ab. Jetzt erst merkte ich, welches Risiko ich eingegangen war. Was würde ich eigentlich tun, wenn diese Sache hier scheitern sollte? Die finanziellen Mittel auf andere Weise aufzutreiben würde schon schwer genug werden, aber wer würde sich für dieses Album dann überhaupt noch interessieren? Wenn es nicht mal „meine Leute“ in ausreichendem Maß getan hätten? Von einer Plattenfirma abgelehnt zu werden, ist eine Sache. Von einem Publikum – ja, vom gewissermaßen eigenen Publikum – eine ganz andere. Ich hatte meine ganze musikalisch-künstlerische Existenz in die Waagschale gelegt. Zumindest kam es mir so vor. Ich hatte allen Menschen, die ich überhaupt erreichen konnte, eine Frage gestellt, ich hatte gerufen, so laut ich nur konnte: Soll ich dieses Album machen? Soll ich überhaupt Musik machen? Eine Woche lang schlief ich unruhig. Ich unternahm alles, was irgendwie noch ging. Und dann nahm die Kampagne wieder Fahrt auf, einfach so, wie ein gut trainierter Langstreckenläufer gab sie noch einen fulminanten Schlussspurt – und lief mit 160% der Fundingsumme über die Ziellinie. Selten war ich über eine „Antwort“ so glücklich gewesen. 

 

Nun kommt also „Von ganz allein“ im März 2017 in die Welt. Und auf die Bühnen. Spielen werde ich die Lieder dann – konsequenterweise – allein. Ganz allein. genau so, wie ich sie auch geschrieben habe. Auch das ist etwas völlig neues für mich. Eine völlig neue Herausforderung. Ich freue mich sehr drauf. 

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All content © 2016 Jon Flemming Olsen.

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